CD-, DVD-, Schallplatten- und Buch-Kritiken
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Schwung und stetes Fließen
Wendelin Bitzan, 22.02.2009
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Die Kammermusik in allen ihren vielfältigen Formen begleitete Johannes Brahms fortwährend durch sein kompositorisches Schaffen. Streichquartett und Violinsonate durchliefen zermürbende Entwicklungsstadien und trugen, nach unzähligen verworfenen Entwürfen, erst im reifen Alter Früchte, die der Veröffentlichung für würdig befunden wurden. Nicht anders verhielt es sich mit der Gattung des Klaviertrios: zwar entschloss sich bereits der jugendliche Komponist zur Veröffentlichung seines H-Dur-Trios op. 8, unterzog es aber 36 Jahre später einer eingehenden Umarbeitung. Diese Spätfassung des Werkes ist Bestandteil einer neuen Gesamteinspielung der Brahmsschen Klaviertrios durch das Leipziger Trio Ex Aequo; die Zusammenstellung wird ergänzt durch das Trio op. 114 mit dem Gastklarinettisten Karl Leister.
Wie viele Sonatensätze Schuberts birgt der Kopfsatz des H-Dur-Trios aufgrund seiner epischen Ausmaße gewisse formale Gestaltungsprobleme, die vom Ensemble durch die Wahl sehr fließender Tempi gebannt werden. Klanglich zeigen sich die drei Musiker ohne Fehl und Tadel. Dem Cellisten Matthias Moosdorf, auch Verfasser des tiefgründigen Begleittextes der Doppel-CD, gelingt ein schmelzendes und mit Hingabe durchgehörtes Hauptthema; der Geiger Matthias Wollong fügt in der zweiten Phrase inspirierte Sextparallelen hinzu. Die Durchführung genießt einige hoch dramatische Momente, welche der Dramaturgie des Satzes sehr zugute kommen; allein das Unisono beider Streicher wird nicht immer ganz präzise intoniert. Das Scherzo wird im Charakter hervorragend getroffen – die anmutigen und dabei virtuosen Themengestalten erklingen mit unaufdringlicher Leichtigkeit, das Wechselspiel von Violine und Cello wird aufnahmetechnisch durch einen reizvollen Stereo-Effekt realisiert. Im 'Adagio' gestaltet der Pianist Gerald Fauth eine ätherisch-kantable Einleitung, die von einem anrührend dargebotenen Dialog von Klavier und doppelgriffigem Streichersatz gefolgt wird. Das Finale deuten die drei Musiker mit einem gelungenen Ansatz aus Pathos und Emotionalität.
Auch die beiden späteren Klaviertrios erfahren sehr dichte und wie aus einem Guss dahin fließende Darbietungen. Der vollgriffige Kopfsatz des C-Dur-Trios op. 87 wirkt niemals massig, die Bassregion des Klaviers verfügt über die nötige Rundheit der Abbildung. Der pavanenartige Rhythmus des an zweiter Stelle stehenden 'Andante con moto' besitzt Spannkraft, die ungarisierende Binnenepisode Leidenschaft. Sämtliche musikalischen Charaktere werden höchst überzeugend dargestellt. Musikalische Aussagen erschließen sich unmittelbar und ohne die Individualität der Interpreten zu sehr in den Vordergrund zu stellen – wie etwa in dem äußerst knapp gearbeiteten, schließlich in hymnische Entfesseltheit mündenden 'Allegro energico' des c-Moll-Trios op. 101. Im langsamen Satz dieses Werkes zeigt sich einmal mehr die Sicherheit im Zusammenspiel der beiden Streicher, die als Duo und vor allem in Doppelgriff-Passagen höchst homogen agieren.
Das späte a-Moll-Trio für Klarinette, Cello und Klavier hebt mit einer einstimmigen, schlicht aufsteigenden Akkordbrechung an und steigert sich hin zu einem Tutti von orchestraler Klangwirkung; dieser Klimax hätte gern noch intensiver ausgeschöpft werden können. Leisters Klarinettenton ist unprätentiös und in Extremlagen niemals rau oder schrill, mitunter jedoch fast ein wenig zu zurückhaltend – die stärksten Momente gelingen dem Künstler bei schlichten Kantilenen wie im Thema des 'Adagio'. Das Werk wirkt im Gesamtverlauf eher introvertiert und verliert gegenüber den Klaviertrios ein wenig an Spannung; dies wird auch im Finale spürbar, welches erst gegen Ende zu der ergreifenden Intensität des Ausdrucks findet, mit der es komponiert ist. Im Ganzen liegt hier jedoch eine sehr solide und sowohl klanglich als auch interpretatorisch zufrieden stellende Aufnahme vor, die bedenkenlos empfohlen werden kann. |
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